Nach der Stippvisite in Bulawayo geht’s los mit der Safari! Die Nationalparks in Simbabwe unterscheiden sich sowohl landschaftlich als auch in den Tierarten, die den Park bevölkern. Allen Parks gemeinsam ist, dass man nur an gewissen Orten seine Zelte aufschlagen darf; dort ist dann meistens auch die nötige Infrastruktur vorhanden, um zu kochen und zu duschen. Die Nationalparks die wir gesehen haben sind relativ schwach besucht; die meisten Einheimischen können sich die Reise nicht leisten, und die Touristen aus Europa und Amerika ziehen Südafrika oder Kenia vor.
Der
Matopos-Nationalpark besticht vor allem auch durch landschaftliche Schönheit.
Ein erster Höhepunkt ist der Besuch des Grabhügels von Cecil Rhodes.
Wenn man einmal dort gestanden ist, versteht man, warum Rhodes den Ort, wo jetzt
sein Grab steht, zu Lebzeiten “View of the world” genannt hat. Nach dem Besuch
des Grabhügels steht noch ein weiterer Berg auf dem Programm.
Unser Zeltplatz für die nächsten 2 Nächte ist traumhaft schön
an einem See gelegen. Bei der Hitze hätte ich die grösste Lust, ins
Wasser reinzuköpfeln, aber Schilder am Ufer warnen uns, dass es Gesünderes
gibt. Ich werde mit einer erfrischenden Dusche Vorlieb nehmen müssen. Ausser
mit Affen und Warzenschweinen, die sich frech auf dem Platz herumtummeln, müssen
wir unseren Platz mit fast niemandem teilen. Der Parkwächter, der bei der
saisonbedingten schmalen Belegung eine ruhige Kugel schiebt, freut sich mit
uns einen Schwatz abhalten zu können. Er ermahnt uns, keine Gegenstände
unbeaufsichtigt zu lassen, denn die Affen haben eine diebische Ader.
Da wir relativ nahe dem Äquator sind, wird es um 18.00 urplötzlich
dunkel. Unsere Stirnlampen sind dann die einzige Lichtverschmutzung weit
und breit. Es ist schon ein besonderes Gefühl, bei klarem Himmel auf
einen guten weiteren Verlauf der Reise anzustossen!
Gekocht wird auf offenem Feuer, wobei vor allem auch Alain seine Kochkünste
unter Beweis stellt. Beim Nachtessen fallen einige wenige Regentropfen.
Leider haben wir zuwenig Trinkwasser eingekauft. Das Wasser aus der Wasserstelle muss deshalb aufgekocht, und anschliessend wieder abgekühlt werden, damit es in die Pet-Flaschen abgefüllt werden kann. Keine leichte Sache bei den immer noch herrschenden warmen Temperaturen. Am Schluss sind mehr als 15 Liter Wasser abgekocht. Eine kurze Nacht für Wolfgang.
Vor den ersten Sonnenstrahlen läutet der Wecker, der erste Safaritag steht vor uns! Beim Morgenessen eröffnet uns Isabelle einen kulinarischen Trick: Peanut-Butter mit Konfitüre am Morgen. Nach anfänglicher Skepsis kann ich ihr zu dieser phantastischen Kombination nur gratulieren!
Die geschützen Tiere befinden sich im Matobo in einem eingezäunten game park. Wir wollen als erste dort sein und darum geht’s vor sechs Uhr los. Aus zwei Gründen stehen wir jeweils frühmorgens auf. Erstens besteht frühmorgens die grösste Chance, Tiere beobachten zu können (in der Mittagshitze schalten unsere Protagonisten eine Pause ein). Zweitens dunkelt es wie schon erwähnt früh ein, und wir wollen deshalb die zwölf Stunden Tageslicht bestmöglich nutzen.
Matobo ist der bestgeeigneste Ort auf dieser Welt, um die vom Aussterben bedrohten Nashörner beobachten zu können. Ein Tierfreund der ein Nashorn einmal live beobachten kann, wird sich deshalb so glücklich schätzen wie ein Briefmarkensammler der seine Pro Juventute Sammlung vervollständigt oder ein Fans der den erstmaligen Titel seines Lieblingsvereins feiern kann. Als Safari-König gilt, wer an einem Tag the big five antrifft. Allerdings ist dies im Matobo unwahrscheinlicher als der Gewinn des Lotto-Jackpots, den es gibt hier keine Elefanten und Löwen. Die ungefähr 45 Nashörner jedenfalls sind besser bewacht als ein Schweizer Bundesrat: Tag und Tag halten sich in ihrer Nähe Nationalparkwärter auf. Ihr Ziel ist es, Wilderer abzuschrecken. Manchmal leider erfolglos.
Wir
fragen bei der Parkeinfahrt den Wärter, ob er den aktuellen Standort eines
Nashorns kennt; leider kann er uns aber nicht weiterhelfen.
Safari ist Geduldsache, erklärkt uns Wolfgang. Man dreht seine
Runden, und nichts geschieht. Plötzlich kann man innert weniger Minuten
unterschiedlichsten Tieren begegnen. Die erste halbe Stunde fahren wir
langsam auf der sandigen Strasse, und zehn Augenpaare suchen gespannt die
Umgebung ab. Plötzlich schreit Christine “Une giraffe à trois
heures” und von weitem können wir eine Giraffe beim Fressen beobachten!
“Trois heures” bedeutet für uns, dass wir nach rechts schauen müssen,
und “neuve heures” nach links. Im folgenden werden wir weiteren Giraffen
begegnen und bald friedlich grasenden Nashörnern.
Am Mpopoma Dam gehen wir an einen Aussichtspunkt. Wir sehen, wie sich
Nilpferd und Krokodil friedlich ihren Platz teilen. Die Stimmung in unserer
Gruppe ist nach den letzten ereignisreichen Stunden auf einem Höhepunkt.
Wegen der grossen Entfernung schauen wir durch unsere Ferngläser.
Bei jeder Bewegung der Nilpferde geht ein Raunen durch die Gruppe… Der
Tag setzt sich in gleichem Stil fort.