Leider ist die Grenze zwischen Botswana und Simbabwe nicht so durchlässig wie die Grenzen in Mitteleuropa, und so verbringen wir einige Zeit beim Zoll. Die Hitze ist wirklich wieder einmal erdrückend. Da noch niemand den Chobe kennt, haben wir uns auch noch nicht entschieden, wo wir übernachten werden. Die Parkgebühren in Botswana sind um einiges höher als in Simbabwe. Also übernachten wir gerade beim Eingang zum Park. Der Zeltplatz ist einem Hotel angegliedert, das einen Swimming Pool hat. Dankbar stürzen sich einige ins kühlende Nass. Wir reservieren für den morgigen Tag eine Flusssafari und eine geführte Safari mit einem Fahrzeug. Es braucht einige Zeit, bis jeder von uns botswanisches Geld gewechselt hat und die Rechnung für die Safari’s beglichen hat. Mein Plädoyer für ein universelles elektronisches Zahlungsmittel, welches noch breiter als eine Kreditkarte eingesetzt werden kann, findet überhaupt kein Verständnis.
Die
Lage des Zeltplatzes entschädigt uns jedoch für die nachmittaglichen
Anstrengungen. Wir haben die Zelte am Ufer des Chobe (Fluss) aufgeschlagen und
können in der Ferne Elefanten und Büffeln zuschauen. Etwas weiter
vorne vergnügen sich einige Nilpferde und geben ihrer Freude auch lautstark
Ausdruck. Die untergehende Sonne färbt den Horizont orange-rot ein, und
wir geniessen die phantastische Aussicht.
Unsere Meisterköche haben sich bereitgemacht, um wieder einmal
auf offenem Feuer ein köstliches Essen zuzubereiten. Allerdings ist
Tomatenkonfitüre nicht unbedingt geeignet für eine Spaghettisauce.
Beim Einkaufen ist wohl etwas schiefgegangen, aber im Shop einer Tankstelle
können wir das noch benötigte Produkt einkaufen gehen.
Wegen der Hitze sind viele von uns müde und wollen sich deshalb
in ihr Zelt zurückziehen. Doch die Elefanten von Chobe sorgen für
nächtliche Action. Da in einem vergangenen Jahr ein schwerer Unfall
in unserem Zeltplatz passiert ist, bei dem es sogar Todesopfer gegeben
hat, wurde um den Zeltplatz ein Elektrozaun gezogen. Wir haben unsere Zelte
in unmittelbarer Nähe zu diesem Zaun aufgebaut.
Als wir unsere Zelte gehen wollen, unterbricht ein Blätterrascheln
die nächtliche Stille. Ein Elefant ist am Ästefressen, in unmittelbarer
Nähe zum Elektrozaun. Im Schein unserer Taschenlampen können
wir einen riesigen Elefanten erkennen. Anfänglich bleiben wir in vorsichtiger
Distanz. Später pirschen wir uns näher heran, sicher durch einen
Elektrozaun geschützt. Als der Elefant mit seinem Rüssel den
Zaun berührt, macht er ruckartig einen Rückwärtsschritt.
Was für ein grandioses Erlebnis zu nächtlicher Stunde!
Nachdem wir uns genügend am Schauspiel ergötzt haben, gehen
wir in unsere Zelte zurück. Die ganze Nacht hören wir dieselbe
Geräusche, nicht zur Freude von Christine…
Der nächste Tag kündigt sich temperaturmässig gleich wie der
vordere an. Ich fühle mich überhaupt nicht fit, vielleicht weil ich
den Grundsatz, genügend zu trinken, sträflich vernachlässigt
habe. Doch die beiden Safaris will ich mir natürlich nicht entgehen lassen.
An dieser Stelle gebührt der Reiseleitung ein Kompliment. Die
Reihenfolge in der wie Matobo, Hwange und Chobe besucht haben, hat sich
genau als richtig erwiesen. Hätten wir Matobo und Hwange nach Chobe
besucht, wären wir enttäuscht gewesen wie wenig Tiere es in den
beiden erstgenannten gegenüber dem Chobe Nationalpark hat.
Unsere
Flusssafari ist gegenüber der Safari mit dem Auto eine willkommene Abwechslung.
Da auch in Botswana Trockenheit herrscht, sammeln sich viele Tierarten am Fluss,
und wir kommen wie nie zuvor auf unsere Rechnung. Auf unserer Fahrt treffen
wir zuerst auf die Nilpferde, die wir schon letzte Nacht brüllen haben
gehört. Wir nähern uns der kleinen Herde, ganz zum Unbehagen eines
Nilpferdes, dass uns schnell auf uns zuschwimmt. Bekanntlich sind in den meisten
Unfällen auf Safari in Afrika Nilpferde verwickelt; deshalb gibt unser
Führer mächtig Gas, um aus der Gefahrenzone herauszukommen. Weiter
oben am Fluss treffen wir Fischadler, Krokodile und Büffel an. Gross ist
die Begeisterung, als wir endlich einmal sehen, wie sich die Nilpferde aus dem
Wasser bewegen. Wir sind uns einig, dass es sicher etwas Besseres als Nilpferdsteak
gibt.
Die Elefanten sind für uns zu schon fast alltäglichen Begleitern geworden. Allerdings haben wir sie noch nie bei einem richtigen Wasserbad beobachten können, da es im Hwange Nationalpark mehr Elefanten als Wasser hatte… Dies können wir jetzt nachholen. Die Elefantenherde lässt sich durch unsere Anwesenheit nicht irritieren. Zuerst wird tüchtig der Tag begossen, dann die ausgetrocknete Haut gründlich gereinigt.
Wir haben die geplante Reisezeit schon überzogen, und wegen der zügigen Geschwindigkeit bei der Rückfahrt weht uns ein kühlender Wind entgegen. Ich bin wirklich nicht fit und glaube auch die Ursache lokalisiert zu haben. Zuwenig Flüssigkeit! Ich versuche also an der Hotelbar das Trinken nachzuholen. Wir treffen auf einen Franzosen, der alleine mit einem Jeep die Namib-Wüste durchquert hat. Wenn man seinen Erzählungen Glauben schenkt, ist er nur durch Glück einige Male dem nahen Tode entronnen. Ist es bewundernswert oder einfach dumm eine Wüste alleine zu durchqueren?
Am späten Nachmittag durchqueren wir mit einem mächtigen Safarifahrzeug den Chobe Nationalpark. Die Strassen sind in ziemlich schlechtem Zustand, mit unserem Toyota wären wir wahrscheinlich mehr schlecht als recht vorwärtsgekommen. Ich habe meinen Vorsatz viel zu trinken wahrscheinlich zu ernst genommen; auf offenem Gelände muss ich den Fahrer bitten, einen Nothalt einzulegen. Unter Gelächter und dem besorgten Blick des Fahrers, der mit seinem Blick die Umgebung absucht, kommt die Erlösung.
Als Höhepunkt unseres nachmittäglichen Ausfluges erweisen sich eine riesige Ebene, die von einer unglaublichen Anzahl Elefanten bevölkert wird, sowieso die Löwenfamilie, die wir am Ende der Safari sehen. Der erbrechende Junglöwe erinnert mich an unseren (verstorbenen) Kater Stanislaus, der beim Erbrechen auch die gleiche Stellung wie jetzt der Löwe eingenommen hat. Heute hatten wir wirklich Natur pur! Doch noch steht uns eine Übernachtung im Zeltplatz bevor, und wer weiss was uns diese Nacht nach dem gestrigen nächtlichen Besuch der Elefanten erwartet! In den frühen Morgenstunden werde ich durch ein ohrenbetäubendes Gebrüll geweckt. Nilpferde auf dem Zeltplatz, schiesst es mir durch den Kopf. Nilpferde sind schwer, schnell, wenn sie sich bedroht fühlen agressiv und nicht sehr klug, verglichen mit anderen Gattungen. Gefahr herrscht! Natürlich muss ich meine beiden schlafenden Zeltkumpanen auf die Situation aufmerksam machen, und hole sie daher aus ihrem tiefen Schlaf. Meine Schilderungen stossen jedoch auf wenig Verständnis. Nach einigem Murmeln schlafen die beiden wieder ein. Der Lärmpegel draussen hat nicht abgenommen, im Gegenteil, ich glaube die Nilpferde kommen uns näher. Ich erwäge eine Evakuation der ganzen Gruppe in das nahegelegene WC-Gebäude, mit ihrer Masse passen die Nilpferde nicht durch den Türrahmen, wir wären dort also sicher! Allerdings sind wir auf dem Weg dorthin auch exponiert… Ich denke scharf nach, komme jedoch zu keinem Schluss. Nach einigen Momenten ist der Schlaf stärker als die Bedrohung. Am anderen Tag wachen wir alle unversehrt auf und ich werde wegen meines nächtlichen Panikanfall belächelt.
Wir gehen zurück nach Victoria Falls, um von dort aus das Flugzeug nach Harare zu nehmen. Um dem Touristenrummel zu entgehen, entschliessen wir uns zu einem Besuch auf einer Krokodilfarm in der Nähe von Vic Falls. Caroline nimmt ein kleines Krokodil (vielleicht 15 cm lang) in ihre Hände; beeindruckend welche Grösse die Krokodile dann nach einigen Jahrzehnten erreichen. Wie man sich in einem Magen eines Krokodils fühlt, können wir erahnen als wir der Fütterung zuschauen. Der Wärter hängt einen riesigen Fleischmocken an einen Stecken, und lässt diesen den Graben hinunterhängen. Die Krokodile stellen sich auf, und machen einen Satz von 2 m in die Höhe.