Der
nächste Tag steht im Zeichen des Transfer von einem Nationalpark zu einem
anderen: von Matobo nach Hwange. Doch bevor wir am Morgen früh unsere Zelte
zusammenräumen hat Stéphane schon einen ersten Kampf hinter sich.
Ein Warzenschwein hat uns einen Sack Äpfel geklaut und nur nach zähem
Ringen hat er sich die Früchte zurückerobern können.
Die Szenerie zwischen Bulawayo, wo wir nach unserem Besuch in Matobo wieder durchfahren und Hwange gleicht jener, die wir schon zwischen Harare und Bulawayo gesehen haben. Allerdings sehen wir gerade vor Hwange vermehrt kleine Siedlungen bestehend aus mehreren Blockhütten.
In Hwange klettern die Temperaturen in astronomische Höhen. Meine Schätzung ist 40 Grad Celsius. Bevor wir jetzt in den Hwange Park gehen, frischen wir uns Lebensmittelvorräte auf. Vor dem Supermarkt stehen Kinder, die Geld sammeln; es ist für den Kauf von Ventilatoren für ihre Schulzimmer bestimmt. Jedes Kind muss einen Mindestbetrag sammeln, und daher ist ihnen unser kleiner Betrag gerade recht.
Unser erstes Ziel im Hwange ist das Sinnamatella Camp. Der Hwange Nationalpark
ist um einiges grösser als Matopos, und deshalb legen wir schon nach Sinnamatella
eine recht grosse Strecke zurück. Die grosse Trockenheit, die dieses Jahr
herrscht, sticht sofort ins Auge. Endlos sehen wir abgestumpfte Bäume,
deren Äste von Elefanten gefressen wurden. Ich bin mit dem Vorurteil nach
Simbabwe gereist, dass Elefanten am Aussterben sind, aber nach dem Besuch von
Hwange und Chobe in Botswana muss ich meine Vorstellung revidieren.
.
Im Restaurant des Sinnamatella Camp geniessen wir die fast schon irreale
und zugleich traumhaft schöne Aussicht; das Restaurant befindet sich
auf einer Anhöhe und wir sehen deshalb eine riesige Ebene vor uns.
Unter uns erblicken wir zwei Elefanten; wenig später sehen wir auch
eine kleine Herde von Giraffen. Aus dieser Höhe sehen die Tiere aus
wie Spielzeuge.
In unserer Sammlung der big five fehlt nur noch der Leopard. Allerdings sind diese auch am schwierigsten zu sehen, da die Leoparden nachtaktiv sind und zudem versuchen, den Menschen aus dem Weg zu gehen. Christine sowie nach und nach alle anderen geraten in helle Aufregung, weil sie glauben, in weiter Ferne einen Leoparden zu sehen. Auch nach mehreren Anweisungen durch die anderen kann ich durch meinen Feldstecher keinen Leoparden erkennen. Merkwürdig scheint, dass sich in unmittelbarer Nähe zum (vermeintlichen) Leoparden eine Hyeäne befindet. Warum greift der Leopard nicht an? Der Kellner des Restaurant gibt die Antwort: Es handelt sich nicht um einen Leoparden, sondern um einen Ast. Endlich kann ich meine Selbstzweifel ablegen.
Wolfgang hat zur Überraschung aller mehrere Lodges im Sinnamatella Camp gebucht. Nach drei Übernachtungen im Zelt übernachten wir also wiederum in einem weichen Bett. Ein für mich ungewohntes Zubehör ist das Mückennetz, welches mein Bett umgibt. Vor der Reise habe ich mir die Mückenplage um einiges schlimmer vorgestellt. Auf Anraten des Tropeninstituts nehmen alle eine Malaria-Prophylaxe ein. Liegt es an der Trockenheit, dass es so wenig Mücken hat?
Am anderen Morgen ist schon um 6 Uhr morgens wieder Action angesagt. Von einem Nationalparkwärter haben wir erfahren, dass gestern beim Detema Dam ein Elephant gestorben ist, und sich die Löwen diesen Festschmaus nicht entgehen lassen wollen. Eine ideale Gelegenheit also, die sonst so scheuen Löwen ausgiebig anschauen zu können.
Wir
erreichen den Schauplatz des morgendlichen Spektakels just zur richtigen Zeit.
Tot liegt der Elephant da, unweit des Detema Dam; auf der einen Köperseite
ist die Haut weg, und wir können die mächtigen Rippen sehen. Die Geier
(vielleicht 100 an der Zahl) haben sich schon über den Elephanten hergemacht
und bedienen sich jener Körperorgane die den Löwen nicht schmecken.
Von links betritt eine junge Löwin die Szene, und begibt sich stolz, ihrer
majestätischen Rolle bewusst, zum Elephanten. Daraufhin ziehen sich die
Geier schlagartig zurück und überlassen der Löwin das Feld. Weiter
rechts sehen wir einen Löwen in Lauerstellung. Die Löwin stürzt
sich auf den Elefanten und wirft uns ab und zu einen fast schon verächtlichen
Blick zu. Nachdem sie genug gegessen hat, lösen sich die beiden ab, als
wären sie an ein Protokoll gebunden. Mittlerweile haben sich auch andere
Touristen zu uns gesellt. Das ist eine der wenige Male, bei denen wir beim Beobachten
der Tiere von anderen Leuten begleitet werden. Wir versuchen den Löwen
mit unserem Bus zu verfolgen und schiessen das nebenstehende Foto für's
Photoalbum.
Nach einem Nachmittag, den wir wiederum auf der Aussichtsterrasse des Sinnamatella Camp verbringen, erwartet uns eine weitere Überraschung. Die nächste Nacht verbringen wir in einem Unterstand, der die Sicht auf ein Wasserloch freigibt. Wolfgang ist überrascht, wie wenig Wasser dieses Jahr sich im Wasserloch befindet. Der Ausblickpunkt wird durch einen Zaun eingekreist; so können wir uns vor den Tieren in Sicherheit wiegen. Ausser uns sind noch drei Nationalparkwärter anwesend, die in einer gelinde gesagt sehr einfachen Hütte übernachten. Wir laden sie zum Nachtessen ein. Das Essen scheint ihnen nicht sonderlich zu schmecken, denn ihre Teller sind auch noch nach einiger Zeit fast randvoll.
Während der Trockenheit sind die Elefanten dauernd auf Wassersuche und graben auch an denjenigen Stellen, wo sich die Wasserpumpen befinden. Zwei Wärter übernachten deshalb in dieser Nacht bei den Wasserpumpen, um die Elefanten fernzuhalten. Ihre Bitte, unsere Taschenlampen auszuleihen um die Löwen fernzuhalten, erfüllen wir deshalb gerne.
Nach Einbruch der Dunkelheit können wir leider die Tiere nicht mehr sehen. Konzentriert versuchen wir die Geräusche zu deuten; ganz eindeutig hören wir Elefanten, die sich jeweils ungefähr eine halbe Stunde beim Wasserloch aufhalten. Wir sehen den Lichtkegel einer Taschenlampe, der sich fortbewegt; die Wärter sind Richtung Wasserpumpe unterwegs.
Am frühen Morgen werden wir durch die ersten Sonnenstrahlen geweckt. Eigentlich haben wir ziemlich wenig Tiere gesehen; die Wärter meinen dass es normalerweise insbesondere mehr Elefanten hat. Vielleicht sind die Elephanten an den Deteme Dam gewandert um den Tod ihres Artgenossen zu zeleberieren. Mit einem Blick in die Runde vergewissere ich mich, dass niemand unserer Gruppe von einem Löwen angeknabbert wurde. Nicht auszudenken, wenn einer Schlafwandler ist und die Wand hinuntergeklettert wäre, die unseren Unterstand von der Wildnis trennt.
Hwange zum dritten. Wir werden heute den Transfer in das Robin’s Camp machen. Unser Hunger nach einer erlebnisreichen Safari ist immer noch nicht gestillt, und die Safari-Tage die uns verbleiben werden in einem gewissen Sinne die intensivsten werden.
Normalerweise ist es aus Sicherheitsgründen, und um den Tieren eine gewisse Ruhe zu gewähren, streng verboten, auf Safari das Fahrzeug zu verlassen. Aus dem Auto auszusteigen kann nicht nur wegen den Tieren ein Spiel mit dem Feuer sein. Im Matopo Nationalpark beispielsweise wird jeder, der zu Fuss unterwegs ist, als Wilderer betrachtet und ohne Vorwarnung von den Wärtern erschossen; so lauten jedenfalls die einschlägigen Warntafeln. Um trotzdem einmal zu Fuss unterwegs sein zu können, kann man mit einem Wärter eine kleine Wanderung unternehmen.
Von
Robin’s Camp gehen wir mit unseren Wärtern Richtung Big Tom’s viewing platform.
Zwei Wärter begleiten uns, einer führt die Gruppe an und der andere
sichert hinten ab. Ich frage mich, was denn die kleine Büchse unserer Begleiter
gegen einen übermächtigen Löwen oder Elephanten anrichten könnte.
Wir marschieren entlang einem Pfad, der eine vielbegangene Elephantenroute zu
sein scheint, wie wir am Elephantenkot sehen können. Plötzlich halten
die beiden Wärter inne. In ungefähr 200 m Entfernung sehen wir einen
Elephanten, der gemächlichen Schrittes genau auf uns zusteuert. Wir versuchen
möglichst lautlos heranzupirschen. Die Distanz zwischen uns und dem Elephanten
beträgt keine 50 m mehr. Die Photoapparate sind gerichtet, um das unvergessliche
Ereignis festzuhalten. Zwar kann der Elephant uns nicht sehen, wie die Wärter
später erklären, aber die Geräusche des Photoapparates irritieren
ihn. Schnelleren Schrittes bewegt er sich auf uns zu. Der Gigant stellt sich
leicht auf und zeigt die typischen Indizien eines angriffswilligen Elephantens.
Mir rutscht das Herz in die Hose, und ich versuche mich durch einen Rückwärtssprint
aus der Gefahrenzone zu bewegen. Wolfgang hält seine Stellung, was ihm
erlaubt, das nebenstehende Bild für die Nachwelt zu machen. Die Wärter
versuchen durch Klappern des Magazins den Elephanten fernzuhalten und zur Rückkehr
zu bewegen. Allerdings kann dies dem Elephanten nicht imponieren. Er scheint
uns jetzt schon zum Greifen nahe. Schlussendlich feuert ein Wärter eine
Kugel in den blauen Himmel. Erst jetzt zieht sich der Elephant erschrocken zurück.
Bei
der Fortsetzung unseres Fussmarsches begnegen wir noch einer Affenpopulation
und einer kleinen Herde Giraffe. Beim Wasserloch Big Tom Viewing Point zurück,
können wir noch eine Herde Elephanten beim Wassertrinken beobachten. Da
es zuwenig Wasser hat, baden die Elephanten auch nicht im Wasser. Am Abend können
wir unsere Erlebnisse mit Christine und Isabelle austauschen; sie waren mit
einem Belgier und einem Franzosen unterwegs. Auch der nächste Tag beginnt
mit einem Fussmarsch. Leider ist unsere Suche nach Löwen nicht von Erfolg
gekrönt, aber die morgendliche Bewegung ist wohltuend.