Harare: Afrikanische Rythmen mit kolonialem Beigeschmack
 

Der Flughafen in Harare ist das Tor zu unserer Simbabwe-Reise. Der Flughafen hat nicht den technischen Schnick-Schnack wie die Flughäfen Mitteleuropas, das Inventar stammt wohl noch aus der Kolonialzeit. Bei der Gepäckrückgabe habe ich genügend Zeit, die anderen Passagiere zu mustern. Neben all den Touristen sind es vermutlich Weisse, die ihre hiergebliebenen Verwandten besuchen kommen. Nach und nach kann ich mich bei der herrschenden Hitze einiger meiner Kleidungststücke entledigen.

Nachdem wir endlich unsere Gepäckstücke gefasst haben, schreiten wir zur Empfangshalle, wo uns schon Wolfgang erwartet.
“Wie sieht das Zentrum einer afrikanischen Grossstadt wie Harare aus?” frage ich mich, als wir mit unserem gemieteten Kleinbus Richtung Innenstadt fahren. Alles in allem hat Harare viele europäische Züge. Das Zentrum besteht mehrheitlich aus charakterlosen Bürohochhäusern, die durch quadratisch angelegte Strassen getrennt werden. Wenig lässt uns bisher darauf schliessen, dass wir wirklich in Afrika sind.
Bevor wir unser Hotel beziehen, besuchen wir einen Aussichtshügel im Zentrum Harare’s. Christoph ist der erste von uns, der sich beim Feilschen mit einem einheimischen Händler zwei kleine Nilpferde aus Speckstein ergattert.

Unser Hotel könnte ebensogut in Europa stehen, doch nach der Nacht im Flugzeug werden wir das bequeme Bett zu schätzen wissen, denn in den nächsten zwei Wochen werden wir im Zelt übernachten. Nach einer zweistündigen Siesta brennen wir endgültig auf afrikanische Lifestyle. Mit unserem Toyota-Bus fahren wir an endlos sich reihenden Blockhäusern an die Peripherie Harare’s. Unglaublich, wie die Leute es schaffen, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Materialien ein Dach über dem Kopf zu konstruieren.

Wir sind auf der Suche nach einem Markt, wo wir Verschiedenes (Pfannen, Teller, Besteck etc.) für unser bevorstehendes Lagerleben einkaufen können. Nach einer kurzen Irrfahrt picken wir drei Einheimische auf, die uns den Markt und einen Parkplatz für unseren Bus zeigen wollen. Wir werden gewarnt, dass es sich bei diesem Trio um Diebe handelt. Doch nichts Bemerkenswertes passiert. Überhaupt ist für uns als Weisse der Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung problemlos, trotz der Kolonialvergangenheit, in welcher die weisse Minderheit die Macht hatte. Ich konnte nicht abschliessend feststellen, ob Teile der schwarzen Bevölkerung Hunger leiden. Trotz ihrer für uns ungewohnten Armut ist ihre Lebensfreude ansteckend

Mit unserem modernen  Bus und unserer Hautfarbe fallen wir in diesem Teil Harare’s natürlich auf. Kaum sind wir aus dem Bus,  umringt uns eine kleine Schar Kinder, und bettelt um Kugelschreiber, Caps und auch Geld. Sie benennnen uns mit Bosse, also Chef. Der Markt ist zum grossen Teil überdacht und deckt eine riesige Fläche ab. In verschiedenen Teilen sind Lebensmittel, einfache (handgemachte) Haushaltsgeräte und sogar Occassions-Elektrogeräte zu haben. Aus grosser Entfernung reisen die Menschen an, um hier ihre Einkäufe zu tätigen.

Während die anderen auf Einkaufstour gehen, halten Wolfgang und ich unseren Bus im Auge. Wir kommen mit einem Geschäftsführer ins Gespräch, der über die schlechte Wirtschaftslage klagt. 500 Dollar Jahresverdienst für ihn als Geschäftsführer.

Auch wenn das Zentrum Harare’s wie schon erwähnt auf den ersten Blick wie eine europäische Stadt anmutet, zeigen sich doch Unterschiede im Detail. Der Spaziergang zum Restaurant beispielsweise, das wir am ersten Abend besuchten, erfolgte durch weitgehend unbeleuchtete Strassen; Strassenlampen sind rar. In der Regel sind bei weitem nicht alle auf einer Speisekarte angeführten Mahlzeiten erhältlich. Dafür hat das Sadza (Mehlgericht) mit Poulet umso besser geschmeckt.