Bulawayo: Indische Spezialitäten und Gipfeli

Bevor wir den Weg nach Bulawayo unter die Räder nehmen, wollen wir unser Geld eintauschen. In Harare gehen wir mit einigen Franken in die Bank und verlassen sie mit einem halben Sack Banknoten. Teuer sind die Preise für einen Europäer nirgendwo, allerdings sind die Preise an den Touristenorten etwas höher. Eines der grössten Probleme für die zimbabwische Wirtschaft ist die ausuferende Inflation, deshalb sind US-Dollars überall willkommen.

Auf unserem Weg nach Bulawayo bekämpfen wir die Hitze durch reichliches Trinken. In regelmässigen Abständen fahren wir an den “Bottle Stores” vorbei. Die Strasse von Harare nach Bulawayo ist eine der Hauptachsen des Landes; trotzdem ist das Verkehraufkommen eher spärlich. Ab und zu kreuzen wir einen Überlandbus. Regelmässig sehen wir am Strassenrand Schulkinder die einen langen Weg auch in dieser grossen Hitze zurücklegen. In Kwe-Kwe machen wir einen Zwischenstopp. Durch die Fernsehbilder über Afrika vorbelastet, bin ich immer etwas über die vollen Regale in den Supermärkten überrascht. Auch in Kwe-Kwe ist dies beim Besuch von zwei Supermärkten wiederum der Fall. Nur Wasser können wir keines kaufen; vermutlich wird dieses nicht angeboten, da es sowieso niemand kaufen würde. Beim Pommes-Chips Knabbern von Kwe-Kwe nach Bulawayo nach vergeht die Zeit wie im Fluge.

Auf dem Zeltplatz in Bulawayo stehen schon einige Geländefahrzeuge, die das Zelt auf dem Fahrzeugdach aufgeschlagen haben. Mit Isabelle gehe ich auf eine vorsichtige Stippvisite in die Universität, die gerade neben dem Zeltplatz liegt. Das Inventar des Vorlesungsraumes besteht nur aus einer Wandtafel, ein paar Stühlen und Bänken. Es fehlen jegliche technische Hilfsmittel. Vor dem Universitätsgelände verkauft ein Verpflegungsstand Hot Dogs.

Am Abend schwärmen wir auf der Suche nach einem Restaurant in das Zentrum von Bulawayo. Doch es ist erstaunlich ruhig für eine Stadt dieser Grösse. Wo bleiben nur die Leute am Abend. Wiederum hat es wenig Strassenlampen, und die Dunkelheit ist fast ein wenig gespenstig. Immerhin hat es sogar die amerikanische Fast-Food Kette Wendy’s hierhin verschlagen. Schliesslich gehen wir in ein indisches Restaurant. Zwar mag es auf den ersten Blick erstaunlich sein, dass es in Bulawayo sogar ein indisches Restaurant gibt, aber da auch Indien britische Kolonie war, hat es im Süden recht viele Einwohner indischen Ursprungs. Nach einem vorzüglichen Essen verbringen wir eine erste Nacht im Zelt. Es dauert nicht lange, da schlüpfe ich aus dem Schlafsack, denn in dieser Nacht ist es recht heiss. Allerdings fällt es einem bei diesen Temperaturen leichter, früh aufzustehen und so den Tag voll zu nutzen.

Am anderen Tag gehen wir das naturhistorische Museum in Bulawayo besuchen, das landesweit grösste dieser Art. Ich verlasse das Museum mit gemischten Gefühlen. Ein Ausstellungsbereich gibt Aufschluss über Flora und Fauna von Simbabwe; er stimmt uns auf die nächsten Tage in den Nationalparks ein. In einem anderen Teil wird die Kolonialgeschichte aufgerollt; es erstaunt mich, dass der Kolonialist Cecile Rhodes in so gut davon kommt; schliesslich war er doch massgeblich an der Unterdrückung der afrikanischen Bevölkerung beteiligt.

Als wir Isabelle und Wolfgang später in der Innenstadt wieder antreffen, springt der Motor unseres Buses nicht an. Trotz mehrfachen Versuchen bleibt das Fahrzeug bockstill. Auch die heraneilenden Polizisten sind ratlos. Schliesslich gelingt es Wolfgang und mir, dem Motor mit einem Kraftakt neues Leben einzuhauchen. Zur Sicherheit geht Wolfgang zur Vermieterfirma um eine Kontrolle durchzuführen. Man stelle sich nur vor: Unser Wagen erleidet Defekt während der Safari, und kein Mensch ist weit und breit um aus der Patsche zu helfen…Derweil Wolfgang die Affäre regelt, machen wir Bekanntschaft mit einer Schweizer Erfolgsgeschichte. Mitten in Bulawayo gibt’s eine Konditorei namens Häffeli. Als wir das geräumige Ladenlokal betreten, lacht uns ein kitschiges Bild vom Matterhorn entgegen. Die Konditorei wird vor allem von Weissen besucht; Bulawayo ist jener Ort in Simbabwe, wo die meisten Weissen aus der Kolonialzeit geblieben sind.